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Interview mit Homeschooling-Expertin Neubronner

In einem ausführlichen und zweigeteilten Interview bringt Dagmar Neubronner Literaturhinweise, Aspekte zum freien Lernen und gängige Fallen im tradionellen Schulsystem. Sie erwähnt Erkenntnisse des bekannten Bildungsjournalisten und Dokumentarfilmers Reinhard Kahl, spricht über das zunehmende Interesse einiger Erziehungs- und Bildungswissenschaftler und zeigt den Stand der Privatbildungsbewegung in Deutschland auf. Außerdem läßt sie uns teilhaben an eigenen Erfahrungen mit freiem Lernen in ihrer Familie und vieles, vieles mehr...
Sehr Empfehlenswert.
Bitte besonders das letzte Drittel anhören!!!

www.freie-radios.net/portal/content.php?id=21463
9.3.08 13:24


"Schulpflicht" in Deutschland: Fünfzehnjähriges Mädchen zwangsweise in die Psychiatrie eingewiesen

Am Nachmittag des 1. Februar 2007 wurde die fünfzehnjährige Amina Melissa Busekros aus Erlangen in die Kinder- und Jugendpsychiatrie verschleppt.

Im Sommer 2005 hatte die heute 15-jährige Melissa die Versetzung in die achte Klasse des Erlanger Christian-Ernst-Gymnasiums wegen ungenügender Leistungen in Latein und Mathematik nicht geschafft - in der Klasse war es sehr laut, auch durch Stundenausfälle konnte die Schülerin nicht optimal gefördert werden, mit dem Sitzenbleiben wäre sie nach Angaben der Mutter in eine noch problematischere Klasse gekommen. Ein Wiederholungsjahr hätte für die ansonsten gute Schülerin viel verlorene Zeit bedeutet, daher wurde Melissa fortan zu Hause individuell unterrichtet und spezifisch gefördert. Nur am Musikunterricht und im Chor ihrer Schule nahm Melissa auf eigenen Wunsch weiterhin teil. Das Gymnasium und das Schulamt aber spielten nicht mit, Melissa wurde zwangsabgemeldet und der zuständigen Hauptschule zugeteilt.

Infolgedessen unterrichteten die Eltern Busekros ihre Tochter weiterhin zu Hause. Alle anderen schulpflichtigen Kinder der Busekros gehen übrigens zur Schule. Mit Ablauf des Schuljahres 2005/2006 endete die Vollzeitschulpflicht für Melissa. Dennoch wendete sich das Jugendamt der Stadt Erlangen noch im August 2006 an das zuständige Familiengericht, das eine Anhörung der Eltern und ihrer ältesten Tochter veranlasste. Zu dieser Anhörung war nur der Vater erschienen. Die Tochter befand sich zeitweise im Ausland. Doch die Behörden ließen nicht locker und wollten minutiös wissen, wann sich Melissa wo aufhielt, wobei es auch zu einem unangemeldeten Besuch der Familienrichterin bei den Busekros kam.

Familie Busekros ist eine bekannte und bei den Nachbarn beliebte Familie. Ihre Bereitschaft zu einem Fototermin im häuslichen Umfeld für den Artikel der Erlanger Nachrichten zeigt, daß sie nichts zu verbergen haben. Doch das reichte den Behörden nicht. Am Dienstag, den 30. Januar 2007, frühmorgens, wurden Mutter und Kinder - der Vater war schon zur Arbeit - von Vertretern des Jugendamtes Erlangen und Polizeibeamten überrascht, die eine sofortige Herausgabe von Melissa forderten. Im Beschluss des Amtsgerichtes Erlangen (AZ: 006 F 01004/06) vom 29. Januar 2007 heißt es wörtlich: "Das zuständige Jugendamt wird beauftragt ud ermächtigt, das Kind notfalls durch Gewaltanwendung zur Anhörung zuzuführen und sich hierzu der Unterstützung der polizeilichen Vollzugsorgane zu bedienen."

Melissa wurde in die Kinder- und Jugendpsychiatrie des Klinikums Nürnberg verbracht und dort in Anwesenheit des Sachverständigen Herrn Dr. Schanda einer Anhörung unterzogen. Im Anschluss an diese Anhörung, etwa dreieinhalb Stunden nach ihrer gewaltsamen Verbringung ins Klinikum Nürnberg, wurde Melissa wieder zurück in ihr Elternhaus gefahren. Den erleichterten Eltern und den fünf jüngeren Geschwistern, die zuvor nicht gewußt hatten, ob und wann sie ihre Tochter bzw. Schwester wiedersehen würden, sowie Melissa selbst sollte der nächstgrößere Schock aber noch bevorstehen.Melissa (ganz rechts oben) noch im Kreis ihrer Familie

Am Nachmittag des 1. Februar rückten die Familienrichterin, Vertreter des Jugendamtes Erlangen sowie fünfzehn Polizisten bei den Busekros an, um Melissa erneut in die Kinder- und Jugendpsychiatrie des Klinikums Nürnberg zu verbringen. Der richterliche Beschluss, mit dem diese Maßnahme gestützt wurde, enthält nach Auskunft des Vaters, Hubert Busekros, auch den sofortigen Entzug der elterlichen Sorge. Mit einer etwa einjährigen Entwicklungsverzögerung und dem Bestehen einer Schulphobie wird dieses Vorgehen gegen eine Fünfzehnjährige, das diese noch dazu völlig unerwartet traf, begründet. Wann die Eltern und Geschwister wieder ein Lebenszeichen von Melissa erhalten werden, ist ungewiss, da das offizielle Vorgehen bei Diagnose "Schulphobie" darin besteht, den Kontakt zu den nächsten Bezugspersonen, die als vereinnahmend betrachtet werden, fürs erste völlig zu unterbinden.

"Nur Familien eröffnen Perspektiven" lautete der Titel des Artikels, der das Familienfoto der Busekros zeigte: eine glücklich lächelnde Erstgeborene im Kreise ihrer Lieben - ob sie das Lächeln nun verlernen wird? Was wird dieser Jugendlichen, einem sensiblen und musikalisch veranlagten Mädchen, angetan, nur weil die zuständigen Behördenvertreter ein Exempel statuieren mußten? Die Traumatisierung des bislang unauffälligen und beliebten jungen Mädchens wird bewußt in Kauf genommen, um die deutsche Schulbesuchspflicht, in diesem Fall sogar nur noch die Teilzeitschulpflicht, mit allen Mitteln und ohne Hinterfragung durchzusetzen.

Würde Melissa in Österreich, Tschechien, Frankreich oder Belgien leben, wären vermutlich alle Beteiligten - die Schülerin, die Eltern und die pädagogischen Fachkräfte der zuständigen Behörden - froh darüber, daß für ihre besonderen Lernbedürfnisse ein optimaler, da individueller Bildungsweg beschritten wird. Denn in diesen Ländern ist, wie übrigens fast überall auf der Welt, der häusliche Unterricht eine anerkannte Alternative zum Schulbesuch, wodurch insbesondere Schülern mit besonderen Bedürfnissen und Begabungen große Vorteile entstehen. Viele der deutschen "Sitzenbleiber" würden in diesen Ländern, hätten sie so engagierte Eltern wie Melissa, vermutlich vorzeitig einen Abschluss in der Tasche haben. Melissa dagegen wird psychiatrisiert: ein deutsches Schüler-Schicksal.

(aus der Presseerklärung des Netzwek-Bildungsfreiheit)

Am 12.02.2007 wurde Melissa von den zuständigen Behörden an einen unbekannten Ort verschleppt. Die Eltern wurden weder über Grund noch Ort der Tochter in Kenntnis gesetzt.

Kontaktdaten für den Protest gegen die Zwangsverschleppung von Melissa Busekros finden sich hier
18.2.07 11:17


14.12.06 11:56


Die erstaunlichen Parallelen zwischen Inquisition und Zwangspsychiatrie

(von Edmund Schönenberger)



Die Inquisition hat die Menschen eingesperrt. Auch die Zwangspsychiatrie bedient sich dieses Mittels. In den Kerkern der Inquisition sind die Menschen gefoltert worden. Gleiches geschieht in den psychiatrischen Anstalten. Unterschiede bestehen lediglich in den Methoden. Die Inquisition pflegte die rohe Folter(1). Die Zwangspsychiatrie operierte früher mit Lobotomien, Sterilisationen, Elektroschocks, Zwangsjacken, Deckelbädern etc..
Heute werden die Eingesperrten gezwungen, als Medikamente getarnte heimtückische Nervengifte zu schlucken. Wenn sich jemand weigert, werden Aufgebote von bis zu einem Dutzend Pflegern zusammengetrommelt. Das Opfer wird gewaltsam gepackt und aufs Bett gefesselt. Alsbald werden ihm die Substanzen mittels einer Injektionsnadel in den Körper gepumpt.

Gemeinsam war und ist beiden Institutionen das sog. Geständnis.
Die Opfer der Inquisition wurden hochnotpeinlichen Verhören unterworfen, bis sie gestanden, Ketzer zu sein(2). Die Opfer der Zwangspsychiatrie müssen gestehen, geisteskrank zu sein. Es findet eine eigentliche Gehirnwäsche statt. Meist schon bei der Einweisung, jedenfalls aber in der Anstalt wird ihnen von den Ärzten eröffnet, sie seien krank. Ihr spontaner Protest wird mit der Feststellung quittiert, sie seien krankheitsuneinsichtig. Die Krankheitsuneinsichtigkeit wiederum wird als wesentliches Merkmal einer Geisteskrankheit bewertet. Eine teuflische Falle. Den Opfern wird klargemacht, eine Entlassung komme erst in Frage, wenn sie einsehen würden, krank zu sein. Das zwingt sie, in wochen-, monate- und manchmal sogar jahrelangen Prozessen ihr ganzes Bewusstsein umzukrempeln und schliesslich das verlangte Geständnis abzulegen. Ein Lippenbekenntnis genügt keineswegs und wird von den Ärzten nicht akzeptiert. Um die Krankheitseinsicht zu fixieren, wird den Entlassenen häufig die Pflicht auferlegt, sich der Kontrolle eines Arztes zu unterziehen und weiterhin die "Medikamente" einzunehmen. Im Unterlassungsfall wird mit erneuter Einweisung in die Anstalt gedroht. Die Masse der Zwangspsychiatrisierten verwandelt sich so in läppische, verängstigte, scheue, devote, jedenfalls aber fürs ganze Leben gezeichnete Menschen. Nur wenigen gelingt es, standhaft zu bleiben, mit zum bösen Spiel gemachter guter Miene die Ärzte zu übertölpeln und sich durchzusetzen. Gross ist die Zahl derjenigen, welche die Prozeduren völlig brechen. Sie werden als "Chronische" abgebucht und verbringen praktisch das ganze Leben hinter den Mauern.

Abgeschafft ist - im Gegensatz zur Inquisition - der Scheiterhaufen. Allerdings gibt es bedeutend mehr Tote in den psychiatrischen Anstalten, als früher Ketzer verbrannt worden sind. Die Selbstmordrate in den Anstalten und nach solchen Aufenthalten ist bis zu 100-fach höher als bei der "Normal"-Bevölkerung(3). Die demütigenden Prozeduren - überfallsmässiger Abtransport in die Anstalt, im Falle des Widerstands mit Polizeigewalt und in Handschellen; die Zwangsmedikation, vorab das "Herunterspritzen" und die Drohungen damit; die Suspendierung praktisch sämtlicher Menschenrechte - lassen den Tod häufig als das kleinere Übel erscheinen. Die Behandlungen mit den Nervengiften enden nicht selten tödlich(4).
Die heimliche statt öffentliche Beseitigung von Menschen dürfte mit dem allgemeinen Stilwandel zusammenhängen, welchen die französische Revolution eingeleitet und die russische abgeschlossen hat: Die gekrönten Häupter, die sich bis dahin mit grossem Pomp zur Schau gestellt hatten, durften ungestraft einen Kopf kürzer gemacht werden. Das hat die gesamte Herrscherclique bewogen, in den Untergrund zu tauchen und von dort aus ihre Imperien - als Demokratien vermarktete Plutokratien - um die Welt zu spannen. Diskretion ist zu einem ihrer obersten Gebote geworden. Fanale wie öffentliches Verbrennen, Enthaupten oder Erhängen werden vermieden. Die heute bevorzugte Methode besteht darin, die das Herrschaftssystem störenden 'Elemente' in hermetisch abgeschotteten Massenanstalten aufzubewahren und die anfallenden Toten unauffällig zu entsorgen.

Inquisition und Zwangspsychiatrie kannten bzw. kennen beide die sog. Verdachtsstrafe. Sie bedeutet, dass es keiner Beweise, sondern des blossen Verdachts der Ketzerei bzw. der Geisteskrankheit bedurfte und bedarf, um die vorgesehenen
Sanktionen auszulösen(5). Eine Denunziation rief die Organe der Inquisition auf den Plan. Heute genügt ein Anruf bei einem Psychiater, um einen lästigen Menschen loszuwerden.
Gemeinsam haben Inquisition und Zwangspsychiatrie die absolute Geheimhaltung. Die Folterknechte von damals mussten heilige Eide schwören, kein Sterbenswörtchen über die Vorgänge verlauten zu lassen(6). Das Anstaltspersonal hat mit Strafverfolgung rechnen, falls es Geheimnisse ausplaudert(7). Die Gerichtsverfahren waren und sind geheim(8).
Damals wie heute drohten bzw. drohen Verteidigern von Ketzern bzw. von Geisteskranken Berufsverbote(9).

Ketzer und Geisteskranke wurden bzw. werden mit den gleichen Euphemismen bedacht. "Wir wollen Dir ja nur zum rechten Glauben verhelfen und so Deine arme Seele vor dem Teufel und ewiger Verdammnis retten", haben die Ketzer von den Inquisitoren zu hören bekommen. "Wir wollen für Dich im geschützten Rahmen einer Klinik sorgen und Dich gesund machen, damit Du wieder ein wohlfunktionierendes Mitglied unserer Gesellschaft werden kannst", flöten die Ärzte den Geisteskranken ins Ohr.

Die Zwangspsychiatrie geht sogar noch einen Schritt weiter, als die Inquisition. Um die letzte Jahrhundertwende herum ist das Prinzip der Eugenik entwickelt worden. "Geisteskranke" dürfen sich nicht mehr fortpflanzen(10). Wer in einer Anstalt landet, kann faktisch keine Kinder zeugen. Die aufgezwungenen Gifte machen impotent. Psychiatrische Diagnosen stigmatisieren und behindern die Etikettierten massiv bei der Partnersuche.
Im Urteil der Zeit waren die Inquisitoren und ihre Auftraggeber hochgeachtete Persönlichkeiten. Das gleiche gilt von den Organen der Zwangspsychiatrie. Erst im Urteil der Geschichte ist die Inquisition als das infame Herrschaftsinstrument demaskiert worden, welches es gewesen ist. Noch ist die Zwangspsychiatrie Gegenwart. Ich bin indessen zuversichtlich, dass die Geschichte mit ihr gleich wie mit der Inquisition verfahren wird. Keine Epoche hat bis jetzt ewig gedauert. Noch jede ist früher oder später zusammengekracht. Wer das Knistern im Gebälk der Zwangspsychiatrie nicht hört, das Wackeln von Dach und Fundamenten der hiesigen und übrigen westlichen Plutokratien nicht sieht, ist taub und blind.

21. September 1994

Edmund Schönenberger


1. Henry Charles Lea, Die Inquisition, Nördlingen 1985, S. 232 ff.
2. Lea, a.a.O. S. 221 ff.
3. Matthias Seibt, Wissenswertes, Bochum 1994; Lea, a.a.O. S. 376
4. Matthias Seibt, a.a.O.
5. Lea, a.a.O. S. 247; Kempker/Lehmann, Statt Psychiatrie, Berlin 1993, S.
187
6. Lea, a.a.O. S. 215 f.
7. Aushang Anstalt Münsingen 1993
8. Lea, a.a.O. S. 216; BGE vom 16.6.1988 i.S. P.S. gegen ZHPGK
9. Lea, a.a.O. S. 259 f.; ZHAKRA vom 4.2.1993
10. Art. 97 Abs. 2 ZGB; Marc Rufer, Wer ist irr? Bern 1991, S. 98 ff.

***************
1.12.06 23:37


17.7.06 20:52


zur diskussion... :

Atomkraft 2006: Bist Du auch dumm wie Brot?

Unterschreiben gegen die Atomkraft?

Nein, ich habe nicht unterschrieben.
Die Liste lag aus in Bad Godesberg
beim Kongress der Ärzte gegen den Atomkrieg zu 20 Jahren Tschernobyl.

Nicht weil ich nicht für den Ausstieg wäre.
Nicht weil ich nicht die Konferenz und das
Gedenken für sehr wichtig hielte und auch nicht
weil ich das Engagement einer europaweiten Initiative nicht bewunderte.

Es ist das Kampagneninstrument, das mir nicht gefällt.

Warum soll ich im Jahr 2006 als Bürger
meinen Namen unter eine Liste setzen und diese an Politiker schicken mit der
Bitte "Keine Atomkraft"?
Bin ich ein ein Zwerg, ein Bittsteller?
Gehört die Unterschriftenliste nicht in eine
Zeit und eine Situation gesellschaftlicher Kommunikation,
die es so nicht mehr gibt?
Unterschriften sammeln, das machte eine
gesellschaftliche Avantgarde, die gegen bornierte
Parteien und eine geschlossene Industrielobby kämpfte.

Und sie kämpfte vor 25 Jahren mit den richtigen Mitteln,
wie wir heute wissen,
auf dem Marktplatz mit Unterschriften, am Bauzaun, im Wahllokal.

Heute aber ist das Comeback von Unterschriftenlisten
und des gelben "Atomkraft Nein Danke"-Buttons eher problematisch:
beim Mainstream könnte nämlich der Eindruck entstehen,
dass wieder ein paar Wenige gegen die Mächtigen anrennen.
Nichts ist unwahrer. Es gibt politisch immer noch einen Beschluss zum Abschalten.
Es gibt seit vielen Jahren eine Umfragemehrheit gegen Atomkraft.
Es gibt vorallem auch eine kulturelle gesellschaftliche Hegemonie:
"Atom ist uncool" und manche ahnen schon,
Atom ist sogar unnötig.
Zum Glück gib es nämlich nach 7 Jahren Rot-Grün eine wirtschaftliche und technologische Macht,
vertreten durch einen Wirtschaftszweig, der als wichtiger Faktor
nicht mehr zu ignorieren ist.
Raus aus Atom und Kohle ist kein Wunsch,
sondern eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Option.
Darum sind Atomkraftgegner keine Bittsteller, sondern gesellschaftlicher Mainstream.
Warum soll der irgendwo unterschreiben?

Der Masterplan: wir investieren in Erneuerbare,
machen uns unabhängig von den Konzernen
und reagieren bei jedem Vorstoss in Sachen Atom gelassen!
Soweit die Theorie.
Ich gebe zu, mit dem Gelassenbleiben ist das so eine Sache.
Dafür sind die wirtschaftlichen Machtverhältnisse
noch immer zu unfair angesicht eines faktischen Oligopols
von vier Stromunternehmen (EnBW, Eon, RWE, Vattenfall),
die noch eine Menge Politiker unter Vertrag haben.

Und das ist sachlich und nicht polemisch gemeint.
Die Chefs dieser Atom- und Kohlekonzerne glänzen
mehr denn je mit fetten Gewinnen und fordern gemäss ihres
betriebswirtschaftlichen Kalküls
Laufzeitverlängerungen für Atom und "Investitionssicherheiten"
für ihre Investitionen in Kohlekraftwerke.
Damit meinen sie so etwas wie staatlich garantierte Marktanteile.
Und sie werben 20 Jahre nach Tschernobyl wieder offensiv für Atom:
in ganzseitigen Anzeigen im Spiegel beispielsweise
umgarnen sie die Jugend.
Kernkraftwerke sind sicher, verkünden sie peppig, und unterschreiben mit Ihrem guten Namen.
Das ist neu: die vier Atomkonzerne treten tatsächlich als Vierergang auf
und verbleiben mit freundlichen Grüssen: Vattenfall, Eon, RWE und EnBW.

Der Witz ist natürlich, dass viele Atomkraftgegner diese Proatom-Werbung bezahlen, denn sie sind ja Kunden. Dieser Teil der Kundschaft unterschreibt vielleicht wieder Unterschriftenlisten, aber interessiert sich nicht besonders für die Firma, die ihr den Strom in die Steckdose pumpt. Die Umweltbewegung hat hier erstaunlich wenig erreicht in ihrem eigenen Verantwortungsbereich, bei der Mobilisierung eben jener Konsumentenmacht, die den Atomausstieg per Konsumententscheidung zementieren könnte. Deshalb ist jetzt "name and shame angesagt". Ich sage nur: Chrissy, Berthold, Bettina - um mal einige atomkritische Bekannte zu outen, die Atomstrom kaufen.

Es ist nicht zu fassen: ein Volk von Atomskeptikern kauft im Jahr 2006 immer noch beinahe geschlossen bei Atomkonzernen. Da sassen wir in Bad Godesberg, 20 Jahre nach Tschernobyl, und sammelten neue Ideen für die Energiewende. Zum Spass machte einer den beliebten Stromwechselcheck. Auch die Bewegten beim Tschernobyl-Kongress verbraten also nach meiner Hochrechnung immer noch zu 30% den Strom eines Atomunternehmens, dessen Politik sie doch für gefährlich und falsch halten. Sehr merkwürdig. Doch woran liegt es? Sind Atomenergiegegner dumm wie Brot?

Könnte man meinen, ist aber natürlich nicht so. Eher schon ist hier kommunikativ etwas gründlich schief gelaufen. Es ist bei vielen nicht angekommen, dass es 20 Jahre nach Tschernobyl nur eine wichtige Unterschrift gibt, die garantiert den eigenen Ausstieg bedeutet. Das ist die Unterschrift unter die Kündigung bei den Konzernen Eon, Vattenfall, EnBW und RWE und deren Töchtern, zum Beispiel Yello. Und es ist leider auch nicht angekommen, dass diese Kündigung ein elegantes politisches Instrument der Konsumentenmacht ist, also auch eine gemeinschaftliche, politische Dimension hat. Unterschriftenkampagnen können also doch ein zeitgemässes Instrument sein, aber nur wenn an der richtigen Stelle unterschrieben wird.

Bliebe noch die Frage nach einer erfolgreicheren Kommunikationstrategie. Nehmen wir mal an, Sie wären ein Atomkraftgegner und gleichzeitig Kunde eines Atomstromunternehmens, welcher der folgenden Slogans würde Sie am ehesten zum Ausstieg bewegen können:

a. Jetzt Neu: Atomstrom kann man kündigen!
b. Du bist Atomausstieg - zieh einfach den Stecker!
c. Boykottier die doofen Vier!
d. Zu blöd zum Stromwechsel? Jetzt ganz locker und easy

Quelle:

Martin Unfried2006


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<Mika Latuschek> schrieb am 19.05.06 21:32:36:

> Wo gibt es denn nun umweltfreundlichen Strom?

Ziemlich unabhängig informieren kann man sich z.B. hier:

Ganz kurz:
www.zukunftsenergie.org/bilder/anbieterliste.gif
www.bund.net/lab/reddot2/images/content/tabelle_strom.JPG

Etwas länger:
www.robinwood.de/german/energie/oekostrom

Ganz ausführlich:
www.energieverbraucher.de Anbietervergleich

Viele Grüße

Freimut Bittner
17.6.06 01:54


eva bude:

hab dieses buch in der bücherei gefunden und mal reingelesen - neugierdehalber - (selba ma da jeleebt) - s´geht um "sex and drugs and hardcorepunk", wollt ick mir ma sehn, wo´ck mir da wohl wierfindn kann... - war ja ganz nett so zzu anfang, der roman, kam aber bald an geschichten, die zwar selbzss doch janz andas erlebt hab - tja wenn de sohn buch schreibszz muszse ja nich alles selba alehbt ham, die geschichten von andern tun´s ooch, ab in mixa, püriert un mitreingemischt... - wie´s wirklich war, will erstens keina wissen, un zweitens isses jezz schon ooch egaal, wat sollsz....

hey eva - kann gut sein, dass wir schon zusammen gesoffen ham - an die "reispfanne" kann ick mir noch erinnern - wir sind damals nach ner tour durch kreuzberg inne danckelmann geraten, und da war noch gut zu essen auf´m herd....

die artikel über dich hast du wohl gelesen:

"Die Autorin Eva Bude hat jahrelang in besetzen Häusern gelebt - als Punk. Und Sex gehabt und Drogen genommen hat sie auch. Deswegen gibt sie ihrem Besetzerroman den Untertitel "Sex and Drugs and Hardcore-Punk". Das lässt zuerst einmal nichts Gutes erwarten.

Dann aber erklärt sie dem unbeleckten Leser, was Punk ist: Sie zählt die hehren Grundsätze der Punkerphilosophie auf, berichtet von Freuden und Entbehrungen des Punkerlebens, vom Sparmenü "Hundefutter mit Reis" und von der Sorge um den Rattennachwuchs. Sehr detailreich bebildert Bude das Westberlin der Frühachtziger - eine Zeit, in der frisch Zugezogene noch als "Neuankömmlinge aus Wessiland" beschimpft wurden.

Fast vergessene Phänomene des alten Westberlin wie die Wohnungsnot kommen wieder ins Gedächtnis, mittlerweile mythische Orte leben wieder auf: "Pennys Frisiersalon" in der Potsdamer Straße, die "Ruine" am Winterfeldtplatz, das "Risiko". Die Straßen der Stadt werden im zärtlichen Abkürzungswahn der Zeit wieder zur "Manteuffel" und zur "O 44", fast gänzlich verdrängte Berliner Originale wie die dürre, zornige Sunshine aus der Oranienbar tauchen wieder auf.

Slogans wie "Instandbesetzen statt Kaputtsanieren" und "Keine Kompromisse mit dem Schweinesystem" dürfen beim Revuepassieren noch einmal neu und originell sein, und natürlich bekommt auch das weniger Schöne seinen Platz: die Brutalität der Berliner Polizei und inzwischen historische Hautkrankheiten wie die Schleppscheiße, die außerhalb Berlins nur in so genannten Dritte Welt-Ländern vorkam.

Leider ist die Ich-Erzählerin nicht nur Zeitzeugin, sondern auch eine arge Angeberin: Beim Saufen ist sie stets die Tougheste, bei Demos immer vorne mit dabei - Straßenkampfszenen geraten zu einer Mischung aus Märtyrerlegende, Jägerlatein und Kriegsberichterstattung. Außerdem ist sie noch eine Sexprotzin allererster Güte: Sie hat es drauf, verschafft sich durch gezielte Auswahl finger-und zungenfertiger Liebhaber die größten, besten, selbstbestimmtesten Orgasmen, hat sich schon als junges Mädchen in der Heidelberger Fußgängerzone prima von einem berühmten Dealer untenrum versorgen lassen, prahlt mit gleichgeschlechtlichen Erlebnissen und gibt dazu noch Nachhilfe in S/M-Kunde: "Alles was beide wollen, ist absolut ok."

Angenehmerweise hat diese Autorin bei alldem keinerlei literarische Ambitionen und erzählt in kurzen Sätzen geradewegs drauflos. Viele Dialoge werden in korrekter Besetzerschreibweise wiedergegeben: "Ey, neemz mir nich übel. Aber ich brauch jezz meine Ruhe" oder auch "Ey sach mal, wass machszdn du da? Hassz du sie noch alle? Du willzdn Punk sein?" Ansonsten neigt Eva Bude sehr zum Pathos: Die größten Selbstverständlichkeiten - einen Freund im Falle des Vollsuffs nach Hause schleppen - feiert sie ständig als Wahnsinns-Freundschaftstaten unter Punks ab.

Und gegen Ende des Romans geht ihr dann fast vollständig die Luft aus, immer mehr Nebensächlichkeiten und Anekdoten, die keine sind, werden aufgeführt: Wie ich mal auf dem Hausdach voll die Vision hatte respektive wie ich mal ein Gericht kreierte, das alle voll lecker fanden. Who cares?, denkt da die Leserin zwischendurch.

Eva Bude geht es aber nicht um die Perfektion einer Chronistin oder Dramaturgin: Ihr geht es um das große ganze Bild. Deswegen ist "Verpisst euch" ein interessantes Stück Zeitgeschichte, ein unterhaltsamer Roman, ein Westberliner Punk-Heimatmuseum. CHRISTIANE RÖSINGER

Eva Bude: "Verpisst euch! Sex and Drugs and Hardcore-Punk". Europa Verlag, Hamburg 2005, 320 S., 16,90 €

taz Berlin lokal vom 29.9.2005, S. 27, 123 Z. (Kommentar), CHRISTIANE RÖSINGER" - soweit die taz: http://www.taz.de/pt/2005/09/29/a0244.1/text



dein verlag schreibt über dich:

"Eva Bude wurde 1962 in Mannheim geboren. Die Mutter war Hausfrau, der Vater ein Ex-Luftwaffenoffizier der Wehrmacht und nach dem Krieg Handelsvertreter. Abitur in Mannheim 1981, danach Flucht nach Berlin. Leben in besetzten Häusern zwischen 1981 und 1984, danach zeitweilig obdachlos. Ab 1986 Einzug in eine legale Mietwohnung. Ausbildung zur Modedesignerin an der Academia Moda e Design in Berlin und Florenz, zahlreiche Preise."

wat sollsz,

ickwürddirwohl vielleichmawieda gernä kennenlern...
17.6.06 01:45


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